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In ihrer Struktur ähnelt die japanische
Sprache zwar dem Mongolischen und Koreanischen, ist jedoch mit
keinem der beiden verwandt und läßt sich keiner Sprachfamilie
zuordnen. Der Wortschatz ist stark vom Chinesischen beeinflußt.
Japanisch ist eine agglutinierende („anklebende“)
Sprache: Die Beziehungen der Wörter im Satz werden durch
hinzugefügte Silben (Affixe) ausgedrückt, die zumeist
eine eindeutige Funktion haben. Z.B. entsteht durch Anfügen
des selbständig nicht vorkommenden Affixes ‚no’ an
das Wort ‚onna’ (die Frau) der Genitiv ‚der
Frau’ (‚onnano’), aus ‚kuruma’ (das
Auto) plus ‚no’ wird also ‚des Autos’ usw.
Ein grammatikalisches Geschlecht gibt es nicht, eine Mehrzahl
nur selten. In Verbindung mit dem Zeitwort braucht die Person
nur genannt zu werden, wenn aus dem Zusammenhang oder der Bedeutung
des Zeitwortes nicht klar wird, wer gemeint ist.
Der schwierigste Aspekt des Japanischen ist die Höflichkeitssprache
(keigo), die sich sowohl in Grammatik als auch im Vokabular vom „Alltags-Japanisch“ unterscheidet.
Der Grad der Höflichkeit richtet sich nach dem gesellschaftlichen
Rang des Gesprächspartners (Alter, berufliche Position,
Geschlecht etc.) in Relation zur eigenen sozialen Stellung. Unterschiede
gibt es daher auch zwischen Männer- und Frauensprache.
Kompliziert ist auch das japanische Schriftsystem. Im 6.Jh. eigneten
sich die Japaner mit Übernahme der chinesischen Kultur auch
die chinesischen Schriftzeichen (kanji) an. Diese Zeichen wurden
dann sowohl als japanisches Wort gelesen als auch als japanisiertes
chinesisches Wort: So wird das Zeichen für Berg im Japanischen ‚yama’,
im Hochchinesischen ‚shan’ und im Sino-japanischen ‚san’ gelesen.
(Der Fuji-yama allerdings heißt nur im Ausland so, die
Japaner bezeichnen ihn als Fuji-san!) Das starre chinesische
Schriftsystem aber, das für eine Sprache konzipiert war,
die mit dem Japanischen nicht die geringste Ähnlichkeit
hat, erwies sich auf Dauer als nicht ausreichend. In der frühen
Heian-Periode (794- 1185) wurden daher bereits zwei japanische
Silbenalphabete entwickelt, Hiragana (z.B. für Affixe) und
Katakana (fast ausschließlich für Fremdwörter),
die heute noch gebräuchlich sind. Hinzu kommen lateinische
Buchstaben (Romaji), die man in Japan ebenfalls benutzt.
Soviel zur grauen und ernüchternden Theorie. Doch wohl in
kaum einem Land der Welt werden einem Touristen so viel Lob und
offene Bewunderung für seine sprachakrobatischen Übungen
zuteil wie in Japan. Kaum hat man ein lang geübtes „arigato“ („danke“)
angebracht, schallt einem entgegen: „O josu desu ne“, „Sie
sind aber begabt!“ Das Kompliment gilt jedoch nicht so
sehr dem linguistischen Genie des ‚Gaijin’, des Ausländers,
sondern vielmehr seinem sprachlichen Engagement. Denn nach Ansicht
vieler Japaner ist ihre Sprache ein tiefer Ausdruck ihres Wesens
und für Ausländer undurchdringbar, in ihrer Komplexität
und Vielschichtigkeit unerlernbar. Wie dem auch sei, dem ‚Tsuristo’ (Touristen)
stellt sich die Frage der Erlernbarkeit nicht. Für ihn zählt
vielmehr die Erkenntnis, daß das Touristen-Vokabular genauso
einfach zu meistern ist wie in jeder anderen Sprache. Eine kleine
Hürde ist die Intonation: Generell werden die einzelnen
Silben gleich stark betont. Die zweitgrößte Stadt
Japans heißt also nicht o-SA-ka, sondern o-sa-ka, danke
nicht a-ri-GA-to, sondern a-ri-ga-to. Eigenartig sind die „Flüstervokale“ i
und u, die manchmal kaum hörbar sind (z.B. Asakusa ausgesprochen
fast wie „Asaksa“).
Vor allzuviel Spracheifer muß jedoch gewarnt werden. Denn
auf jede mühsam hervorgebrachte japanische Frage folgt unweigerlich
eine japanische Antwort, und dies meist in atemberaubender Geschwindigkeit.
Sprachlicher Ehrgeiz sollte vielmehr auf die Schrift gelenkt
werden. Aber nicht etwa auf das Einüben einiger Kanji, sondern
auf Hiragana und Katakana. Wer diese Zeichen entschlüsseln
kann, ist weniger auf fremde Hilfe angewiesen: Von Bahnhofsstationen
(Namen in Kanji und Hiragana) bis hin zur Speisekarte (alle Fremdwörter,
z.B. Spaghetti oder Bier, werden mit Katakana geschrieben) läßt
sich vieles selbst entziffern. |
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