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Eine der ältesten, seit über 1000 Jahren überlieferten
Musikformen Japans ist Gagaku, die Hofmusik; Gagaku-Orchester
spielen auch die Begleitmusik zu Bugaku, dem Hoftanz. Gagaku
basiert auf sechs diatonischen Tonleitern. Tragende Instrumente
sind Trommel, Mundorgel, Gong, Bambusflöte, Kurzhalslaute
(biwa) und Langzither (koto). Nogaku ist die Musik des No-Dramas;
die Melodie wird von einer Bambusflöte und von Trommeln
getragen. Ein populäres Saiteninstrument, die dreisaitige
Laute Shamisen, wird beim Kabuki-Theater, bei den Bunraku-Puppenspielen
und beim klassischen Bühnentanz gespielt.
Wer an klassischer japanischer Musik interessiert ist, sollte
die Programme in den englischsprachigen Tages- und Stadtzeitungen
verfolgen. Gagaku z.B. ist oft bei Schreinfesten zu hören.
Eine Warnung an Nicht-Fachleute: In ungeübten Ohren werden
diese Klänge sich bizarr, vielleicht sogar quälend
ausnehmen.
Während das Interesse der Japaner an ihrer eigenen Musik
merklich nachläßt, steht westliche - vor allem klassische
- bei ihnen schon seit Jahrzehnten hoch im Kurs. Ein Indiz: Wenn
man in Japan über Musik spricht (ongaku), ist damit automatisch
westliche Musik gemeint. Bezieht man sich dagegen auf japanische
Klänge, muß dies ausdrücklich durch eine andere
Vokabel klargemacht werden. So hat auch die einst für „höhere
Töchter“ in Europa obligatorische Klavierstunde ihren
festen Platz in der Erziehung japanischer Kinder. Das Instrument
ist natürlich austauschbar, aber jede sechste Familie bringt
auf beschränktestem Wohnraum tatsächlich noch ein Klavier
unter - nicht selten sogar einen ausgewachsenen Konzertflügel.
Von ausgeklügelten Stereoanlagen, stets auf dem neuesten
Stand der Technik, ganz zu schweigen.So führt das Musikleben
rein japanischer Prägung ein eher bescheidenes Dasein. Eine
Ausnahme bilden nur die bei jung und alt beliebten Enka-Lieder.
Wer die sentimentalen, melodisch sehr gleichförmigen Schlager
kennenlernen möchte, braucht nur eine der unzähligen
Karaoke-Bars aufzusuchen. Hier dürfen die Gäste per
Mikrofon und mit Musikbegleitung vom Band ihre Lieblingsmelodien
schmettern - vorzugsweise Enka-Lieder. Für den sangeswilligen
Ausländer – das japanische Publikum wird mit ermutigenden
Anfeuerungen nicht geizen - lassen sich sicher ein paar Beatles-Melodien
finden, vielleicht auch die Lorelei...
Dem Interesse des Publikums folgend, fehlen im Veranstaltungsprogramm
Tokios weder die Top-Popstars aus Amerika noch die weltberühmten
Orchester wie die Berliner Philharmoniker oder die hochkarätigen
Ensembles beispielsweise der Mailänder Scala. Dem Touristen
bleiben Kunstgenüsse dieser Art allerdings in der Regel
versagt. Zum einen sind die Veranstaltungen oft schon Monate
vorher ausverkauft, zum anderen werden bisweilen astronomische
Preise verlangt. Für die vier Abende des Wagnerschen „Ring“ in
europäischer Inszenierung etwa zahlt ein japanischer Angestellter
fast sein gesamtes Monatsgehalt. Doch Japans Musik-Enthusiasten
lassen sich von solchen Summen kaum abschrecken: Was gut ist,
hat nun mal seinen Preis! |
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