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Eines der wirklichen - vielleicht aber auch das
meistgescheute - Abenteuer, das die japanische Hauptstadt für
jeden Touristen bereithält, ist das Eindringen in die Geheimnisse
der Landesküche. So trifft man auch in den hotelnahen Läden
der international bekannten Hamburger-Ketten in Tokio unverhältnismäßig
viele Gaijin, Ausländer. Sicher wird die Scheu vor der kulinarischen
Entdeckungstour von erwarteten Sprachschwierigkeiten genährt.
(Wie soll man denn bei all diesen verwirrenden Zeichen die rund
Tausende Restaurants unterscheiden, wie etwas bestellen, von
dem man nicht weiß, was es ist, geschweige denn, wie es
heißt?)
Die Vorbehalte sind zwar begründet, doch unüberwindliche
Schwierigkeiten gibt es nicht. Z.B. bieten die Schaukästen
vor vielen Restaurants mit naturgetreuen Plastiknachbildungen
der angebotenen Gerichte eine unschätzbare Hilfe. Bei Kommunikationsschwierigkeiten
winkt man die Bedienung einfach auf die Straße und weist
auf das Gewünschte. In Lokalen, die sich auf Touristen eingerichtet
haben, und in den empfehlenswerten Restaurants der großen
Kaufhäuser ist die Speisekarte oft zweisprachig. Einige Übung
erfordert der Umgang mit den Stäbchen (ohashi). Kommt man
damit gar nicht zurecht, kann man nach Foku, Naifu und Spun (Gabel,
Messer und Löffel) fragen; zumindest mit einem Löffel
könnte man Glück haben.
Der beste Anfang für den lukullischen Streifzug ist ein
Nudelgeschäft. Soba (Buchweizennudeln), Udon (Weizenmehlnudeln)
und Ramen (chinesische Nudeln) werden gebraten mit Gemüse,
Shrimps oder Fleischstückchen oder als dampfende Suppe serviert,
in der einige Gemüse- und Fleischstückchen schwimmen;
es darf übrigens geschlürft werden! Größere
und kleinere Nudelgeschäfte gibt es überall in der
Stadt. Viele dieser Restaurants haben Fotos der Gerichte an den
Wänden hängen - man zeigt dann einfach auf das Entsprechende.
(Wenn es gar keine optischen Hilfen gibt, ist ein schneller Blick
in die Nudelschalen der anderen Gäste an der Theke erlaubt.
Mit einem freundlichen Lächeln bestellt man die Suppe, die
der Nachbar vor sich hat.)
Bevor man sich der eigentlichen Herausforderung der japanischen
Küche, rohem Fisch, stellt, sei noch die Bekanntschaft mit
einigen anderen Spezialitäten empfohlen:
Sukiyaki und Shabu-shabu, beides Rindfleichgerichte, erfreuen
sich erst seit der Meiji-Zeit großer Beliebtheit. Bis dahin
war der Verzehr von Fleisch ein buddhistisches Tabu. Während
bei Sukiyaki das hauchdünn geschnittene Fleisch in einer
Sauce auf Sojabasis kurz gedünstet wird, hält man bei
Shabu-shabu die Fleischscheiben kurz in einen Topf mit kochendem
Wasser, um sie erst dann in die Saucen (Soja, Sesam) zu tauchen.
Nahezu in jedem Kaufhaus findet sich ein Sukiyaki- oder Shabu-shabu-Restaurant.
Ob Tempura ein ursprünglich portugiesisches Gericht ist,
oder die Portugiesen es den Chinesen abgeschaut haben, ist strittig.
Unstrittig ist jedoch, daß die in einem Mehl-Ei-Gemisch
gewendeten und anschließend in Öl kurz fritierten
Gemüse- und Fischstückchen aus der japanischen Küche
nicht mehr wegzudenken sind.
Kaiseki-ryori, verschiedene kleine Gerichte, die vollendete Verbindung
von kulinarischem Genuß und Ästhetik, ist leider sehr
teuer.
Yakitori (gegrillte Hühnerstückchen am Spieß),
Gemüse und kleine Snacks bekommt man in Kneipen, deren Eingang
häufig eine rote Papierlaterne ziert.
Nach dieser Einstimmung sollte man sich nun der Krönung
der japanischen Küche zuwenden und ein Sushi-Restaurant
besuchen. Japanisch muß man dazu nicht sprechen. Man nimmt
an der Theke Platz und sieht einen Großteil des Angebots
vor sich. Einige Fischsorten sind leicht zu erkennen: der knallrote
Thunfisch (maguro) zum Beispiel, die Oktopusstücke (tako),
der Lachs (shake) und die Garnelen (ebi), aber auch der weiß-fettig
schimmernde Tintenfisch (ika). Bevor man nun fingerzeigend bestellt,
muß man sich entweder für Sashimi oder für Sushi entscheiden. Bestellt man Sashimi, bekommt man den Fisch einfach
aufgeschnitten serviert. Bei Sushi werden die Fischstückchen
auf ein mit Essig gesäuertes Reisbällchen gelegt, das
der Sushi-Mann noch mit etwas scharfem Meerrettich garniert hat.
Für den ersten Versuch empfiehlt sich zartes Shake- oder
Maguro-sushi und Kappa-maki - in ein großes Stück
Meerlattich werden Reis und Gurkenstückchen gedreht. Nun
ist der Kontakt zum Sushi-Mann hergestellt, der hinter der Theke
die Häppchen, kleine bunte Kunstwerke, zaubert; fingerzeigend
oder mit dem Blick auf des Nachbars Teller kann man sich nun
weiter durchprobieren.
Japans Nationalgetränk ist Reiswein, üblicherweise
Nihonshu genannt. Allgegenwärtig ist auch das Standardgetränk
Nummer zwei, grüner japanischer Tee (ocha), der automatisch
und kostenlos zum Essen serviert wird. Auch an schwarzem Tee
(kocha), Kaffee, Bier, Wein oder Whisky herrscht kein Mangel.
Bei den Alkoholika kann man zwischen japanischen Erzeugnissen
und Importen wählen. Gern getrunken wird in Japan Mizuwari,
mit Wasser stark verdünnter Whisky.
Keine Feier ohne Sake
„
Nihon-shu“, „japanischer Alkohol“, heißt lapidar in seiner
Heimat gemeinhin das, was im Ausland nur unter dem Namen „Sake“ bekannt
ist. Etwa um das Jahr 300 unserer Zeitrechnung soll der erste Reiswein - Alkoholgehalt
14 bis 16 % - gebraut worden sein. Ursprünglich trank man ihn bei Raumtemperatur,
bis jemand im 9. Jahrhundert auf die Idee kam, ihn über offener Flamme auf
37 bis 45 Grad zu erhitzen. Ein Brauch, der Sake-Gourmets erschaudern läßt:
selbst die sanftere, heute übliche Methode des Erwärmens in heißem
Wasser tötet ihrer Meinung nach all das ab, was den Zauber des Sake ausmacht:
die unvergleichlich subtile Komposition von Süß und Sauer, Bitter,
Scharf und Rauh. Produkte der Edelklasse sollten von jedem etwas aufweisen und
natürlich aus einer Gegend stammen, in der erstklassiger Reis angebaut wird.(Das
Sake-Latein der Kenner ist für den Laien ebenso undurchschaubar wie die
Kriterien europäischer Weinverkoster. Zumal es neben den gängigen Großanbietern
noch eine Unzahl regionaler Kleinstbrauereien gibt, die eine beschränkte
Stückzahl für die wahren Genießen produzieren.) Der Normalverbraucher,
der Tourist im Zweifelsfall, hält sich an folgende Regel: Ist es Winter,
bestellt er „atsukan“, die erwärmte Version. Im Sommer darf
es dann „hia“ sein, so wie’s aus der Flasche kommt. Und wer
mit der Zeit geht, ordert „Sake on the Rocks“. Eines zumindest haben
alle drei Varianten gemeinsam: Wer zu tief in den Becher schaut, muß mit
einem kräftigen Brummschädel rechen. |
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