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In Japan hat man noch nie für die Ewigkeit
gebaut. Die stets gegenwärtige Drohung von Naturkatastrophen
ließ eine solche Architektur-Philosophie erst gar nicht
aufkommen. Entsprec hend nüchtern und unsentimental ist der
Umgang mit Bauwerken: Was sich überlebt hat, was im Weg
steht, fällt der Spitzhacke zum Opfer. Und die Großbrände
der Edo-Zeit, das Erdbeben von 1923, nicht zuletzt aber auch
der Bauboom der Nachkriegsjahre haben von der historischen Substanz
Tokios nur wenig übriggelassen. Klassische Schrein- oder
Tempelbauten erweisen sich auf den zweiten Blick als Beton-Replik
aus jüngster Vergangenheit. Erst in den letzten Jahren hat
allmählich ein Umdenkungsprozeß eingesetzt. Als die
Abrißpläne für den Tokio-Bahnhof bekannt wurden,
gab es Proteste aus der Bevölkerung. Das für Tokioter
Verhältnisse „uralte“ Gebäude (Baujahr
1914!) bleibt vorerst der Nachwelt erhalten.
Und die japanische Star-Architekten? Namen wie Kenzo Tange oder
Arata Isozaki sind schließlich weltberühmt. Beispiele
ihres Schaffens findet man in Tokio, nur das Stadtbild prägen
sie nicht. Angesichts der drangvollen Enge in Japans Hauptstadt
muß gebaut werden, wo gerade ein Platz frei wird - ohne
Ansehen der Umgebung. Die besseren Beispiele für japanische
Gegenwartsarchitektur findet man daher in der Provinz. Wer den
Spuren Kenzo Tanges in Tokio folgen will, wird zu den Olympischen
Sportstätten im Yoyogi-Park gehen, sich das Hanae-Mori-Gebäude
an der Omote-sando oder das Akasaka Prince Hotel in Akasaka anschauen,
die Sogetsu Kaikan (Aoyama Dori, Akasaka), eine Schule für
Ikebana, in der auch häufig interessante Ausstellungen gezeigt
weden, oder die neue City Hall und den Wolkenkratzer mit dem
Park Hyatt Hotel in Shinjuku besuchen. Arata Isozaki hat das
Glas Art Akasaka in Akasaka, Kisho Kurokawa das Nagakin Capsule
Tower Building an der Ginza erbaut.
Auch die Zahl ausländischer Architekten, die in Tokio und
Umgebung arbeiten, hat zugenommen. Ob Richard Rodgers, Architekt
des Centre Pompidou in Paris, Philippe Starck, Mario Botta oder
Aldo Rossi - wer in der Architektur-Szene Rang und Namen hat,
ist in Tokio präsent!
Vor allem in den letzten Jahren findet man in Tokio eine Vielfalt
von eindrucksvollen Beispielen der „Minimal-Architektur“,
die von Takamitsu Azuma in den 60er Jahren eingeleitet wurde.
Shigeru Ban, Toyo Ito oder Tadao Ando sind die bekannteren Meister.
Bei einem Streifzug durch Tokio stößt man jedoch auf
viele eigenwillige Kreationen von Minimalisten, die international
noch keinen Namen haben. |
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